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ETFs für turbulente Zeiten: Schütze dein Geld und wachse

Ist dein Portfolio seit Wochen rot? Da bist du nicht allein.

Die Märkte bleiben turbulent. Innert eines Monats hat der S&P 500 rund 6,5 % verloren, Schweizer Aktien gaben mit etwa −4,97 % etwas weniger stark nach (Daten von investing.com, 30. März 2026). Gleichzeitig ist die Unsicherheit deutlich gestiegen: Der Volatilitätsindex (VIX) hat innert eines Monats um rund 31 % zugelegt (S&P 500 VIX, Investing.com, 30. März 2026).

Ein Ende dieser Phase ist derzeit nicht in Sicht. Steigende Ölpreise belasten die Konjunkturaussichten, viele Prognosen wurden nach unten korrigiert. Gleichzeitig rückt die Inflation wieder stärker in den Fokus und mit ihr die Erwartung weiter steigender Zinsen.

Steigende Zinsen, geopolitische Spannungen und volatile Märkte führen dazu, dass viele Anleger beginnen, ihre Strategie zu hinterfragen.

Und genau dann passieren die teuersten Fehler: Umschichten, aussteigen, abwarten.

Die Frage, die ich in Webinaren derzeit häufig bekomme: Wie strukturiere ich mein Portfolio jetzt, dass es auch in turbulenten Zeiten funktioniert?

Zwei ETF-Ansätze, die in diesem Kontext zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind Low Volatility ETFs und Multi-Factor ETFs. Solche ETFs zielen mit unterschiedlichen Ansätzen darauf ab, das Verhältnis von Risiko und Rendite zu verbessern und so einen gewissen «Schutz» vor Kursverlusten zu ermöglichen. 

Richtig eingesetzt können sie dein Portfolio stabilisieren und gleichzeitig langfristiges Wachstum ermöglichen.
Wie genau das funktioniert, welche Chancen und Risiken solche ETFs bieten und für wen sich welche Strategie eignet findest du hier.

Smart-Beta-Strategien – was ist das?

Beide ETF-Arten, Low Volatility und Multi-Factor ETFs, gehören zu den sogenannten Smart-Beta-Strategien. Doch was steckt dahinter? Hier kurz im Erklärmodus:

Klassische ETFs bilden meist bekannte Indizes wie den S&P 500 oder den MSCI World ab. Die darin enthaltenen Unternehmen werden in der Regel nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet, also nach ihrem Börsenwert. Je grösser ein Unternehmen, desto höher sein Anteil im Index.

Smart-Beta-Strategien verfolgen einen anderen Ansatz. Sie investieren weiterhin regelbasiert und systematisch, gewichten Aktien aber nicht nur nach Grösse, sondern nach bestimmten Kriterien. Diese Kriterien basieren auf sogenannten Faktoren, Eigenschaften von Aktien, die in der Finanzforschung seit Jahrzehnten untersucht werden und historisch mit höheren oder stabileren Renditen verbunden sind.

Zu den wichtigsten Faktoren gehören:

  • Value → günstig bewertete Unternehmen
  • Quality → finanziell stabile Firmen mit robusten Bilanzen
  • Momentum → Aktien mit starkem Aufwärtstrend
  • Low Volatility → Aktien mit geringen Kursschwankungen
  • Size → kleinere Unternehmen mit langfristigem Wachstumspotenzial 

Der Vorteil dieser Ansätze liegt darin, dass nicht allein die Grösse eines Unternehmens die Gewichtung bestimmt. Ein Smart-Beta-ETF kann dadurch eine andere Struktur aufweisen als klassische Indizes und zusätzliche Eigenschaften im Portfolio abbilden wie etwa geringere Schwankungen oder eine gezielte Ausrichtung auf bestimmte Renditetreiber.

Mit Smart-Beta-Strategien entscheidest du dich also bewusst für eine andere Gewichtung des Marktes, statt ihn nur passiv abzubilden.

Darauf solltest du dabei achten:

Smart Beta ist kein Garant für bessere Renditen. Folgendes solltest du im Blick behalten:

  • Faktoren funktionieren nicht immer gleichzeitig. Je nach Marktphase können einzelne Strategien über längere Zeit hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben.
  • Unterperformance ist möglich. Es kann Jahre geben, in denen klassische, marktkapitalisierte Indizes besser abschneiden.
  • Methoden unterscheiden sich je nach Anbieter. Die Konstruktion der Indizes kann stark variieren und damit auch das Risiko- und Renditeprofil. 

Low Volatility ETFs: Weniger Verluste als Ziel

Low Volatility ETFs verfolgen ein klares Ziel: Schwankungen reduzieren und Verluste begrenzen.

Sie investieren gezielt in Aktien, die historisch geringere Kursschwankungen aufweisen als der Gesamtmarkt.

Dabei können sie nach unterschiedlichen Methoden konstruiert sein:

Auswahl von Unternehmen mit niedriger historischer Volatilität. Häufig wird die Schwankung über einen Zeitraum von etwa zwölf Monaten gemessen. Typische Branchen sind Versorger, Basiskonsumgüter oder Gesundheitsunternehmen – Sektoren mit stabilen Cashflows und geringerer Konjunkturabhängigkeit.

Optimierte Gewichtung von Aktien mit geringer Volatilität. Hier wird zusätzlich analysiert, wie stark einzelne Titel miteinander korrelieren. Ziel ist es, ein Portfolio zusammenzustellen, dessen Gesamtschwankung möglichst gering ist.

Stabilität ist nicht umsonst

Die Daten zeigen ein klares Bild.

In Krisenphasen fallen Low-Volatility-ETFs häufig deutlich weniger stark.
Berechnungsbeispiele zeigen etwa, dass während der Marktreaktion auf die von Donald Trump angekündigten Strafzölle im vergangenen Jahr ein MSCI-World-ETF rund –20 % verlor, während der MSCI World Minimum Volatility Index nur etwa –9,6 % nachgab. Der Verlust konnte damit um mehr als 50 % reduziert werden (Quelle: justETF).

In starken Aufwärtsphasen bleiben sie jedoch meist hinter klassischen ETFs zurück.
Im Zeitraum vom 30.12.2012 bis 06.01.2026 erzielte der MSCI World eine annualisierte Rendite von rund 12,45 %, während der MSCI World Minimum Volatility etwa 9,34 % erreichte (Quelle: justETF).

Beispiele für Low-Volatility ETFs

Typische Low-Volatility ETFs sind beispielsweise:

iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETFXtrackers MSCI World Minimum Volatility UCITS ETFInvesco S&P 500 Low Volatility UCITS ETF

Diese ETFs unterscheiden sich in ihrer Methodik, verfolgen jedoch alle das gleiche Ziel: die Schwankungsbreite eines Aktienportfolios zu reduzieren.

Auch diese Strategie hat Grenzen

Low Volatility kann ein nützliches Instrument sein – ist aber kein Allheilmittel.

• Verluste können reduziert werden, eine Garantie gibt es jedoch nicht. In sehr turbulenten Marktphasen können auch Low-Volatility-ETFs deutlich nachgeben.
• Es können Sektorverzerrungen entstehen, da defensive Branchen stärker gewichtet werden.
• Die Strategie ist teilweise zinsabhängig, da defensive Sektoren wie Versorger empfindlich auf steigende Zinsen reagieren können.
• Die Auswahl basiert auf historischen Daten, die Vergangenheit ist kein sicherer Indikator für die Zukunft.

Multi-Factor ETFs: Diversifikation neu gedacht

Während Low Volatility oft auf einen einzelnen Faktor fokussiert ist, verfolgen Multi-Factor ETFs einen breiteren Ansatz. Sie kombinieren mehrere Renditetreiber gleichzeitig, etwa:

Value – günstig bewertete Unternehmen
Momentum – Aktien mit starkem Kurstrend
Quality – finanziell stabile Unternehmen mit robusten Bilanzen

Das Ziel ist dabei nicht primär Stabilität, sondern robustere risikoadjustierte Renditen über verschiedene Marktphasen hinweg.

Die Idee dahinter ist einfach: Jeder dieser Faktoren funktioniert besonders gut in bestimmten Marktphasen.

Value performt häufig nach Krisen.
Momentum funktioniert besonders gut in starken Trends.
Quality zeigt oft Stärke in unsicheren Phasen.
Low Volatility stabilisiert Portfolios in Abschwüngen.

Die Herausforderung besteht darin, dass sich diese Marktphasen kaum zuverlässig vorhersagen lassen.

Deshalb kombinieren viele Multi-Factor ETFs mehrere Faktoren gleichzeitig. Dadurch soll die Abhängigkeit von einzelnen Marktbedingungen reduziert und der Renditeverlauf stabilisiert werden.

Verschiedene Konstruktionen

Multi-Factor ETFs unterscheiden sich oft deutlich in ihrer Konstruktion.

Einige Strategien verlangen, dass Unternehmen mehrere Faktoren gleichzeitig erfüllen, etwa Qualität und günstige Bewertung.

Andere Ansätze gewichten verschiedene Faktoren separat innerhalb des Portfolios.

Diese Unterschiede können sich erheblich auf Risiko, Rendite und Sektorverteilung auswirken.

So sieht die Performance aus

Historische Analysen zeigen:

• Multi-Factor Strategien können langfristig leicht höhere risikoadjustierte Renditen erzielen.
• Gleichzeitig wird die Volatilität gegenüber einzelnen Faktorstrategien reduziert.
• Drawdowns fallen häufig moderater aus als bei klassischen Marktkapitalisierungsindizes.

Allerdings gilt auch hier:

• Eine Outperformance ist nicht garantiert.
• Mehrere Faktoren können gleichzeitig schwächeln.

Beispiele für Multi-Factor ETFs

Typische Multi-Factor ETFs sind zum Beispiel:

• iShares Edge MSCI World Multifactor UCITS ETF
• JPMorgan Global Equity Multi-Factor UCITS ETF
• Goldman Sachs Equity Factor Index World UCITS ETF

So kannst du Low Volatility und Multi-Factor ETFs einsetzen

Welche Strategie sinnvoll ist, hängt stark von deinem Anlageziel ab.

Low Volatility ETFs reduzieren Schwankungen und sollen Verluste begrenzen.
Multi-Factor ETFs zielen darauf ab, das Rendite-Risiko-Verhältnis durch Diversifikation über mehrere Faktoren zu verbessern.

Beide Strategien können helfen, ein Portfolio so aufzubauen, dass es nicht nur in guten Zeiten funktioniert, sondern auch dann, wenn Märkte, wie aktuell, unruhig werden.

Sie können besonders sinnvoll sein, wenn:

• du investieren möchtest, aber starke Kursschwankungen reduzieren willst
• dein Anlagehorizont nicht mehr 10+ Jahre beträgt
• du Kapital anlegen möchtest, das du nicht den vollen Marktschwankungen aussetzen willst

Auch in der Entnahmephase können solche ETFs interessant sein, etwa bei Vorsorgegeldern, die du bereits beziehst und weiterhin investiert lassen möchtest. Ebenso für Kapital, das für grössere Anschaffungen vorgesehen ist, aber aktuell noch nicht benötigt wird.

Mögliche Einbindung in dein Portfolio

Du kannst solche ETFs entweder als Grundbaustein oder als Beimischung einsetzen.

Typisch wäre eine Gewichtung von etwa 20–40 % innerhalb eines Aktienportfolios, je nach Risikoneigung und Anlageziel.

Das solltest du unbedingt beachten

• Wähle ETFs bewusst je nach deinem Anlageziel.
• Achte auf die Kosten: viele Low-Volatility- und Multi-Factor-ETFs sind teurer als klassische Index-ETFs.
• Die Rendite kann, insbesondere bei Low Volatility in starken Börsenphasen unter der des Gesamtmarktes liegen.
• Prüfe mögliche Überschneidungen mit bestehenden ETFs in deinem Portfolio.

 

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