Welche Beziehung hast du zum Geld in deiner Pensionskasse?
Siehst du es als dein Vermögen? Oder ist es eher Geld, das jeden Monat irgendwohin verschwindet und mit dem du dich erst bei der Pensionierung beschäftigen wirst?
Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung betrachtet ihr Pensionskassenguthaben gar nicht als eigenes Vermögen (Sotomo 2024). Dabei ist die 2. Säule für viele von uns einer der grössten Vermögenswerte überhaupt.
Vielleicht liegt es daran, dass sich dieses Geld so wenig nach unserem eigenen anfühlt: Es wird jeden Monat automatisch vom Lohn abgezogen, verschwindet in der Pensionskasse und taucht nicht einmal als Vermögen in der Steuererklärung auf.
Doch dieses Geld ist dein Geld. Und es lohnt sich, sich frühzeitig damit zu beschäftigen. Denn die aktuelle Fairplay-Umfrage von Sotomo zeigt: 47 Prozent der Pensionierten bereuen rückblickend mindestens eine Entscheidung ihrer Vorsorgeplanung. Rund ein Drittel hätte gerne früher oder mehr in die Säule 3a eingezahlt.
Wie viel hast du bereits angespart? Wie wird dein Guthaben verzinst? Welche Rente könnte daraus einmal entstehen? Und was passiert finanziell, wenn du invalid wirst oder stirbst?
Antworten darauf findest du in deinem Vorsorgeausweis. Trotzdem landet der bei vielen erst einmal in der Schublade oder die E-Mail wird für später abgespeichert. Mir ging es lange genauso.
Heute schaue ich meinen Vorsorgeausweis einmal pro Jahr genauer an. Dabei gibt es fünf Zahlen, die du kennen solltest.
Versicherter Lohn
Nicht dein ganzes Gehalt ist versichert. Oft wird zuerst ein gesetzlicher Koordinationsabzug von max. 26’460 Fanken (Stand 2026) vorgenommen.
Der gesetzlich vorgeschriebene Koordinationsabzug ist immer gleich hoch, egal, ob man Teilzeit oder Vollzeit arbeitet. Viele Pensionskassen bieten jedoch mittlerweile vorteilhaftere Lösungen und reduzieren den Abzug für Teilzeitbeschäftigte oder streichen ihn komplett.
Ein tieferer Koordinationsabzug bedeutet mehr versicherten Lohn und damit mehr Alterskapital. Gerade bei Teilzeitarbeit lohnt sich hier ein genauer Blick, weil der Abzug prozentual stärker ins Gewicht fällt.
Die Pensionskasse aussuchen können wir uns in der Regel nicht, aber fragen kostet nichts. Prüfe in deinem Vorsorgeausweis, was dir abgezogen wird und wenn es der volle Betrag ist, frage bei deinem Arbeitgeber (HR oder Pensionskasse selbst) nach, ob ein reduzierter Koordinationsabzug möglich ist.
Altersguthaben
Das ist das Kapital, das du bisher angespart hast, dein Stand heute und i.R. zeigt der Vorsorgeausweis auch das voraussichtliche Alterskapital zu einem späteren Zeitpunkt wie z.B. mit 58, 60 oder 65. Je früher du diese Zahl kennst, desto mehr Transparenz hast du über deine Situation in der 2. Säule und kannst allfällige Vorsorgelücken entdecken und entsprechend anpacken.
Ebenfalls interessant: Laut der ZKB-Pensionskassenstudie 2025/2026 weiss weniger als ein Drittel der Versicherten, wie ihr Altersguthaben überhaupt verzinst wird. 2025 lag die durchschnittliche reale Verzinsung der untersuchten Pensionskassen bei rekordhohen 4,6 Prozent.
Umwandlungssatz
Diese Zahl bestimmt, wie viel jährliche Rente du später aus deinem Altersguthaben erhalten könntest wenn du keinen Kapitalbezug machst. Ist der Umwandlungssatz z.B. 5%, dann würdest du für 100'000 Franken Kapital pro Jahr 5'000 Franken Rente bekommen.
Der Umwandlungssatz verändert sich im Laufe der Zeit, meistens sinkt er. Die Pensionskasse sollte dich über Änderungen des Umwandlungssatzes entsprechend informieren.
Laut einer Swisscanto-Studie ist der Umwandlungssatz für den Entscheid Rente oder Kapitalbezug oft gar nicht der Haupttreiber, nur 17 Prozent der Befragten nennen ihn als Grund für den Kapitalbezug. 2025 wurden erstmals 51 Prozent der Altersguthaben in Kapitalform bezogen.
Voraussichtliche Altersrente und Kapital
Diese Zahl zeigt dir, wie hoch deine voraussichtliche Rente bei Pensionierung sein könnte und wieviel Kapital du bis zu einem gewissen Alter angespart hast (unter den Annahmen dass dein Verdienst so bleibt, wie er heute ist). Diese Zahlen zu kennen hilft dir, abzuschätzen, ob du von dem Angesparten den Lebensstandard decken kannst. Der Vorsorgeausweis für die Pensionskasse zeigt dir, was du aus der 2. Säule in etwa erwarten kannst.
Hier kommt die Langlebigkeit ins Spiel: Wer heute mit 65 in Pension geht, hat statistisch noch rund zwei Lebensjahrzehnte vor sich, Frauen tendenziell sogar etwas mehr (BFS). Die Pensionierung ist damit längst kein kurzer letzter Lebensabschnitt mehr. Für viele dauert sie 20, 25 oder sogar 30 Jahre.
Risikoleistungen
Wie viel erhalten du oder deine Familie bei Invalidität oder im Todesfall? Gerade wenn andere Menschen finanziell von dir abhängig sind, ist diese Zahl besonders wichtig. Je nach Vorsorgeplan kann zudem eine Wartefrist von beispielsweise 360 oder 720 Tagen gelten, bevor die Invalidenrente der Pensionskasse einsetzt. Prüfe deshalb auch, welche Leistungen während dieser Zeit über Arbeitgeber, Krankentaggeldversicherung und IV bestehen.
Wenn du z.B. Kinder oder ältere Verwandte hast, die von dir abhängig sind, kann sich der Abschluss einer zusätzlichen Erwerbsausfallversicherung für eine bestimmte Zeit lohnen.
Die Schweiz altert
Seit 2025 leben in der Schweiz erstmals mehr Menschen ab 65 Jahren als unter 20-Jährige: rund 1,8 Millionen Menschen gehören jeweils zu diesen beiden Altersgruppen (BFS). Länger zu leben ist vielleicht eine gute Nachricht für uns alle, wirft aber auch grosse Fragen für die Altersvorsorge auf.
Dein Pensionskassengeld ist dein Geld
Auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt weil der Betrag jeden Monat automatisch abgebucht wird, in den Pensionskassentopf verschwindet und auch bei der Steuererklärung nicht als Vermögen aufgeführt wird: Das Kapital in der Pensionskasse ist dein Geld.
Genau das macht den Vorsorgeausweis und die Zahlen von oben so wichtig.
Ich habe mich auch länger nicht gekümmert, aber seit ich das verstanden habe liegt mein Vorsorgeausweis heute nicht mehr ungeöffnet in der Schublade. Ich prüfe den 1x pro Jahr, und beziehe Überlegungen wie sich z.B. berufliche Veränderungen, Bezüge für Wohneigentum etc. auf meine Pensionskasse auswirken in die Entscheidungen mit ein. Zudem habe ich erst beim Anschauen der Wartefristen für die Invalidenrente und den doch eher beschaulichen Zahlen für die Waisenrente festgestellt, dass ich da ein bisschen aufstocken muss mit zusätzlichen Spartöpfen und Versicherung.
Wie hast du es so mit dem Vorsorgeausweis? Kennst du die Zahlen deiner Pensionskasse? 💰
Quellen zum Nachlesen:
- Bundesamt für Statistik (BFS): Lebenserwartung / Bevölkerungsstatistik 2025 – bfs.admin.ch
- Zürcher Kantonalbank: Pensionskassenstudie 2026 – zkb.ch/pensionskassenstudie-2026
- Zürcher Kantonalbank: Medienmitteilung «Ausgeben, Anlegen oder Vererben» – zkb.ch/medienmitteilungen
- Swisscanto Pensionskassenstudie 2025 – swisscanto.com/pensionskassenstudie-2025
- blue News: «BFS 2025: Schweiz hat erstmals mehr über 65-Jährige als unter 20-Jährige» – bluewin.ch
- Sotomo: Fairplay-Studie «Finanzen und Sicherheit» 2025 – sotomo.ch/fairplay-studie-2025, vollständiger Bericht: PDF
- SRF: «Pensionskassen-Vermögen – Bei der Altersvorsorge herrscht Unsicherheit» – srf.ch
- Penso: «Bevölkerung nimmt Pensionskassenkapital nicht als Teil ihres Vermögens wahr» – penso.ch
- Vita: Fairplay-Studie, Zusammenfassung – vita.ch/sotomo
- Zurich Schweiz: Medienmitteilung zur 4. Fairplay-Studie, Juli 2024 – zurich.ch/medienmitteilung
- Daten: Bundesamt für Statistik, Lebenserwartung und Bevölkerungsstatistik, publiziert April 2026 (Bezugsjahr 2025); Zürcher Kantonalbank, Pensionskassenstudie 2025/2026; Swisscanto-Pensionskassenstudie 2025.
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