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Lombardkredit: Wenn dein Depot zur Bank wird

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Stell dir vor, du benötigst kurzfristig Geld – sei es für eine grössere Anschaffung oder weil sich gerade eine attraktive Investitionsmöglichkeit bietet und deine Performance an den Märkten stimmt.

Die üblichen Wege wären, einen Privatkredit aufzunehmen, im Freundes- oder Familienkreis nach einem Darlehen zu fragen (was selten eine gute Idee ist), oder Vermögenswerte beziehungsweise Wertschriften zu verkaufen, um an Liquidität zu kommen.

Doch genau hier beginnt das Dilemma.

Was, wenn du deine Anlagen gar nicht verkaufen möchtest? Was, wenn du investiert bleiben willst, weil du an deine Strategie glaubst, oder weil es ungünstig wäre, jetzt Gewinne zu realisieren?

Eine weitere Möglichkeit zur Liquiditätsbeschaffung ist vielleicht etwas weniger bekannt als der Privatkredit, aber weit verbreitet: Du hinterlegst deine Wertschriften als Sicherheit und beleihst sie. Du bekommst Liquidität, ohne dein Depot aufzulösen.

Genau das ist die Idee des Lombardkredits.

Dein Portfolio wird zur Sicherheit – und gewissermassen zu deiner eigenen „Bank“. Es ermöglicht dir Kapital aufzunehmen, während deine Anlagen weiterhin investiert bleiben.

Das klingt effizient. Doch wie so oft in der Finanzwelt gilt: Jede zusätzliche Flexibilität hat ihren Preis.

Bevor du dein Depot zu deiner Bank machst, lohnt sich ein genauer Blick – hier ist was du darüber wissen solltest und Tipps wie du das Risiko in Schach halten kannst.

Lombardkredit – wie funktioniert das?

Ein Lombardkredit ist ein durch Wertschriften besicherter Kredit. Du hinterlegst Aktien, ETFs oder Obligationen als Pfand – und erhältst dafür Liquidität, ohne deine Anlagen verkaufen zu müssen.

Dein Portfolio dient dabei als Sicherheit für die Bank. Es handelt sich also um eine besicherte Finanzierung: Die Bank leiht dir Geld, weil sie im Gegenzug auf deine Wertschriften zugreifen könnte, falls du deinen Verpflichtungen nicht nachkommst.

Beliehen werden in der Regel nur marktgängige, liquide Wertschriften wie breit diversifizierte ETFs oder hochwertige Obligationen.

Entscheidend für deinen Kerditrahmen ist der sogenannte Belehnungssatz, auch Loan-to-Value (LTV) genannt. Er bestimmt, wie viel Kredit du im Verhältnis zum Depotwert maximal erhältst. Dabei gilt grundsätzlich: Je stabiler und handelbarer ein Titel ist, desto höher der Belehnungssatz.

Breit gestreute ETFs oder Staatsanleihen werden meist höher bewertet als volatile Einzelaktien. In der Praxis kannst du – je nach Zusammensetzung deines Portfolios – oft zwischen 50 und 80% des Depotwerts beleihen.

Welche Kosten sind mit dem Lombardkredit verbunden?

Für die Nutzung des Lombardkredits bezahlst du Zinsen. Diese sind in der Regel tiefer als bei einem unbesicherten Privatkredit, welcher in der Schweiz ca. 4.4% bis 10% kosten kann. Die Zinssätze variieren je nach Anbieter, Bonität, Währung und Marktumfeld.

In Schweizer Franken bewegen sich die Zinssätze aktuell grob zwischen rund 1% und 3% Prozent. In Fremdwährungen wie dem US-Dollar können sie deutlich höher oder auch tiefer ausfallen, abhängig vom jeweiligen Zinsniveau. Zusätzlich zu den Zinsen können je nach Bank auch Verwaltungsgebühren anfallen.

Arten von Lombardkrediten

Grundsätzlich lassen sich zwei Hauptformen unterscheiden:

Die flexible Lombard-Kreditlinie

Du erhältst einen Kreditrahmen, den du bei Bedarf ganz oder teilweise nutzen kannst. Zinsen fallen nur auf den tatsächlich beanspruchten Betrag an.

Diese Form eignet sich vor allem für kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse oder als strategische Reserve. Der Nachteil: Die Zinsen können sich jederzeit verändern – und damit auch deine Kosten.

Der feste Lombardkredit

Hier wird ein fixer Kreditbetrag mit definierter Laufzeit vereinbart. Teilweise wird auch ein fester Zinssatz für die Laufzeit festgelegt.

Diese Variante ist strukturierter, aber weniger dynamisch. Wer klare Rückzahlungspläne hat und Zinssicherheit wünscht, findet hier mehr Stabilität, verzichtet aber auf die spontane Anpassungsmöglichkeit.

Chancen und Risiken von Lombardkrediten

Wie bei jedem Finanzprodukt hängen die Chancen und Risiken sehr davon ab, wie und wann du den Lombardkredit einsetzt. Hier ein kurzer Überblick:

Chancen:

  • Liquidität, ohne Verkäufe deiner Wertschriften
  • Günstigere Zinsen als unbesicherte Kredite.
  • Schnell Kapital
  • Depot bleibt investiert
  • Höhere Renditechancen durch Hebeleffekt, damit Vermögensaufbau mit geringeren Mitteln möglich (aber Risiken beachten**!)**

Risiken

  • Marktrisiken: Sinkt aufgrund von Kursschwankungen der Wert deines Depots, reduziert sich auch deine Belehnungsbasis. Dein Kredit bleibt bestehen, deine Sicherheit schrumpft.
  • Finanzieller Verlust durch Margin Call / Nachschusspflicht: Fällt dein Portfolio unter eine bestimmte Schwelle, verlangt die Bank zusätzliche Sicherheiten oder eine Teilrückzahlung. Im Extremfall werden Positionen, oft zu einem Zeitpunkt von ungünstigen Kursen verkauft.
  • Variable Zinsen: Viele Lombardkredite sind variabel verzinst. Steigen die Marktzinsen, erhöhen sich deine Finanzierungskosten.
  • Stärkere Schwankungen durch Hebelwirkung: Nutzt du den Kredit für zusätzliche Investitionen, verstärkst du Gewinne aber auch Verluste.
  • Zeitlicher Mehraufwand: Wenn du den Kredit für Anlagen verwendest, solltest du dein Portfolio sorgfältig pflegen und die Marktbewegungen verfolgen.
  • Emotionale Herausforderungen durch hebelbedingte Schwankungen
  • Je nach Konditionen des Kredits eingeschränkte Verwendung der verpfändeten Wertschriften

Was wenn die Kurse fallen?

Ein Lombardkredit wirkt wie ein Hebel. Das wird besonders deutlich, wenn die Märkte fallen.

Ein illustratives Beispiel:

  • Depot: 100’000 CHF
  • Belehnungssatz: 60%
  • Genutzter Kredit: 60’000 CHF

Fällt der Markt um 10%, sinkt der Depotwert auf 90’000 CHF.

Die neue Belehnungsbasis beträgt nun 60% von 90’000 CHF, also 54’000 CHF.

Du liegst damit 6’000 CHF über dem zulässigen Kreditrahmen.

Hast du den Kredit vollständig ausgeschöpft, kommt es zum sogenannten Margin Call. Die Bank verlangt entweder zusätzliche Sicherheiten oder eine Teilrückzahlung des Kredits. Erfolgt kein Nachschuss, kann sie deine Wertschriften verkaufen.

Die Herausforderung:
Der Verkauf findet typischerweise zu einem Zeitpunkt statt, bei dem die Kurse bereits gefallen sind und du musst somit zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen, wenn du nicht anderweitig Mittel nachschiessen kannst.

Lohnt es sich auf Pump zu investieren?

Da die Kreditzinsen relativ günstig sind, kann es sich lohnen quasi auf Pump zu investieren. Du profitierst wenn deine Renditen über den Kreditzinsen liegen. Das tönt verlockend, wichtig ist zu berücksichtigen, dass die Hebelwirkung in beide Richtungen spielt und damit sowohl Gewinne, Verluste als auch Emotionen verstärkt.

Ein illustratives Beispiel: 

Eigenkapital: 100’000 CHF
Lombardkredit: 100’000 CHF
Investition: 200’000 CHF

Es läuft gut, du machst mit der Anlage 10% Rendite.

Dein Gewinn beträgt somit 20% (200'000 CHF x 10%) und ist doppelt so hoch wie wenn du nur dein eigenes Kapital von 100'000 CHF eingesetzt hättest.

Es läuft schlecht, du machst mit der Anlage -10%. Dann beträgt dein Verlust 20'000 CHF (10% von CHF 200'000). Du hast doppelt so viel Verlust gemacht, wie wenn du nur dein eigenes Kapital investiert hättest.

Um das Risiko im Griff zu haben solltest du dich vor der Anlage fragen: **«**Wie viel Risiko kann ich tragen… wenn Märkte fallen und die Zinsen allenfalls steigen?»

So kannst du dein Risiko einschränken

Dein Risiko kannst du mit folgenden Punkten mindern:

  • Worst-Case der Zinsen und Marktschwankungen konservativ berechnen, z.B. nicht mit einem Prozentsatz für die Zinsen von 1%, sondern z.B. mit 5%
  • Konservativer Kreditrahmen: wenn du den Kreditbetrag tief hälst und anstatt 50 oder 80% deiner Wertschriften verpfändest, nur z.B. 20% nutzt, minderst du das Risiko einer Nachschussforderung deutlich
  • Breit gestreute Wertschriften nutzen: verwende für die Verpfändung breit gestreute Wertschriften, da du so das Risiko extremer Schwankungen etwas dämpfen kannst. Geeignet sind z.B. ETFs auf breite Aktienindizes oder diversifizierte Obligationen-ETFs

Wie ihr seht, ein Lombardkredit, vor allem wenn man ihn zum Investieren nutzt, kann zielführend sein, ist aber mit entsprechenden Risiken verbunden. Er ist ein Werkzeug der dein Vermögen flexibler macht, verstärkt aber auch die Volatilität und Emotionalität. Der Lombarkredit eignet sich daher für erfahrenere Anleger:innen oder wenn du kurzfristig Liquidität brauchst und eine klare Risiko- und Rückzahlungsstrategie hast.

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