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Powerfrauen im Spotlight: Andrea Ziegler

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Andrea Ziegler hat mitten in der Pandemie begonnen, sich mit dem Thema nachhaltige, vegane Seifen zu befassen. Im Januar 2021 gründete sie dann ihre Firma sazz und begann mit dem Verkauf im Oktober des gleichen Jahres.

Ihre Seifen sind frei von Erdölen und Palmöl und vor allen Dingen Mikroplastik. Das ist ihr ein persönliches Anliegen.

Ihr Motto ist Wertschöpfung durch Wertschätzung. Getrieben wird sie von dem Leitsatz, etwas zurückgeben zu wollen. Deshalb hat sie ihre Karriere als CFO an den Nagel gehangen und produziert nun Seifen.

Warum hast du dich dazu entschieden, den Schritt vom CFO zur Seifensiedern zu machen?

Ich war als CFO in einem grossen Ingenieurhaus tätig, zu dessen Portfolio unter anderem der Bau von grossen Kläranlagen gehörte. Dabei gibt es zwei Dinge, die eine grosse Herausforderung bei der Filterung darstellen: Medikamente und Mikroplastik. Letzteres kann nur von den neuesten Generation Kläranlagen herausgefiltert werden und gelangt ansonsten wieder durch das aufbereitete Trinkwasser in den Wasserkreislauf.

Und genau das war mein Punkt, denn damit kann ich mich nicht identifizieren. Mikroplastik wird viel in der Kosmetikbranche verwandt in Duschgels, Duschpeelings, Shampoos und Flüssigseifen. Es ist beliebt, da es ein billiges Füllmaterial ist, gelangt aber wieder in unser Trinkwasser.

Ich hatte die Idee, Seifen herzustellen, die frei von Mikroplastik sind. Mich persönlich interessiert es auch immer sehr, welche Inhaltsstoffe haben, die ich kaufe. Erd- und Palmöl und vegan sind ebenfalls Inhaltsstoffe, die meiner Meinung nach nichts in solchen Produkten zu suchen haben. Wir zerstören damit die Welt, in der wir leben.

Ich hatte eine lange, erfüllte Karriere als CFO hinter mir und es war für mich an der Zeit, etwas zurückzugeben und auch einzustehen für Dinge, die ich einfach nicht in Ordnung finde. Die Schönheitsfirmen verkaufen Produkte, die den Menschen einfach nicht gut tun.

Wenn du dir vorstellst, dass du in einem kleinen Artikel wie einem Duschgel oder einer Seife ein so komplexes Thema in der Hand hast und im täglichen Gebrauch keinen Gedanken daran verschwendest, was dieser Artikel der Umwelt und den Menschen antut, dann war das ein Punkt für mich, der mich dazu bewogen hat, meinen Beruf zu wechseln.

Für mich hat Achtsamkeit immer etwas mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt zu tun und deshalb war es mir wichtig, dass ich ein Produkt entwickle, dass frei von Mikroplastik und Erd- und Palmöl ist und bei dem ich auch weiss, wo die Rohstoffe herkommen.

Ich habe nach meiner langen, erfolgreichen Karriere gesagt, dass ich etwas zurückgeben möchte. Ich habe einfach gesagt, dass ich Karriere gemacht habe, die Welt bereist habe, aber ich möchte einfach etwas zurückgeben, das ich in meiner Karriere erfahren habe und einfach nicht gut finde. Ich finde es nicht gut, dass uns die grossen Schönheitsfirmen, die Kosmetikindustrie Dinge verkauft, die uns nicht guttun. Es tut unserer Haut nicht gut und auch der Umwelt nicht. Wir holzen schändlich unsere Urwälder für die Produktion von Palmöl ab.

Letztlich hat mich das dazu bewogen, meinen Beruf zu wechseln und vom CFO zur Seifensiedern zu werden.

Was waren deine Schritte, die du unternommen hast, damit du dich selbstständig machen konntest?

Der erste Schritt war für mich, das Handwerk von Anfang an zu lernen. Das war in Zeiten der Pandemie nicht einfach. Ich habe viele virtuelle Meetings mit Spezialisten gehabt und dann begonnen, meine ersten Seifen herzustellen.

Der zweite Schritt war, dass meine Produkte von Testern auf Herz und Nieren geprüft wurden.

Ich habe für die normalen Körperseifen, Haarseifen und Teenagerseifen jeweils 25 Tester gehabt, die darauf geschaut haben, ob wirklich die Öle und die ätherischen Öle hautverträglich sind.

Der dritte Schritt ist dann, dass für jedes Produkt ein Sicherheitsbericht erstellt wird. Nach Schweizer Recht wird das Produkt im Labor getestet, zu einem Sicherheitsexperten geschickt und dann wird der Sicherheitsbericht geschrieben, der für jedes Produkt 150 Seiten lang ist. Erst danach darf man seine Seife in einem Onlineshop verkaufen.

Da ich einen Finanzhintergrund habe, war für mich der nächste logische Schritt mein Budget. Dabei war wichtig, wie viel Kapital investiert werden sollte und welche Unternehmensform ich wählen würde.

Danach war es Zeit für den Namen meiner Firma und meiner Produkte. Es wurde eine Webseite erstellt und allem für mein Geschäft eine einheitliche Struktur gegeben.

Ich habe mit einer Designer verschiedene Themen wie Verpackung besprochen, denn die Produkte sollen natürlich auch ansprechend verpackt sein.

Für mich war es wichtig, dass ich gut vorbereitet mein Geschäft gestartet habe und alle Aspekte beachtet habe.

Welche Tipps hast du für Frauen, die sich ebenfalls selbstständig machen möchten?

Für mich ist es wichtig, dass alles richtig läuft, aber nicht zu verbissen. Sein eigenes Geschäft zu eröffnen ist auch immer ein kreativer Prozess. Zumindest ich habe ihn als Erlebnis wahrgenommen und mich in meinem eigenen Tempo von Thema zu Thema gearbeitet.

Wichtig ist, dass das Budget stimmt und auch die Grundvoraussetzungen, bevor man sein Geschäft eröffnet und nicht direkt scheitert.

Dazu gehört eine gute Vorbereitung, aber auch, dass man sich finanziell nicht übernimmt.

Wie hat dir dein Finanzwissen während deiner Karriere geholfen?

Mein früherer Beruf hat mir in jedem Fall geholfen, sodass der finanzielle Plan früher stand als das Marketing. Ich denke, jeder sollte schauen, dass die Finanzen vorab gut durchdacht und geregelt sind.

Es geht hier auch um die richtige Rechtsform. Um ein Beispiel zu geben: Da ich ein Produkt verkaufe, liege ich auch in der Produkthaftung. Das ist ein Kriterium gewesen, warum ich eine GmbH gegründet habe und kein Einzelunternehmen, bei dem ich als Inhaberin mit meinem Privatvermögen haften würde.

Aber auch die Tatsache, dass ich als Produzentin wesentlich mehr Investitionen vorab habe als ein Dienstleister, war mit ein Grund, warum ich mich für eine GmbH entschieden habe.

Kannst du uns ein wenig mehr über deine Firma erzählen - Wofür steht die Marke sazz.ch?

Mir ist es wichtig, dass Menschen den Respekt der Bezahlung für ihre Arbeit bekommen. Als zweites möchte ich wissen, wer meine Produzenten für die Rohstoffe sind. Ich habe Produzenten in der Schweiz, aber auch im Ausland.

Meine Warenlieferkette hat nur einen Zwischenhändler und danach stehen an zweiter Stelle direkt die Produzenten. Ich habe also die Möglichkeit, direkt die Produzenten zu bezahlen.

Ausserdem gibt mir das die Möglichkeit, diese Information auch an meine Konsumenten weiterzugeben. Das betrifft das Thema Transparenz, was ich in der heutigen Zeit ebenfalls sehr wichtig finde.

Wie ist der Name sazz entschieden, hat er eine bestimmte Bedeutung?

Es gab zu Anfang verschiedene Namen, die ich meinem Umfeld vorstellte. Ein erster Entwurf war dabei „Seifina“. Ich fand ihn sehr passend, weil er weiblich klingt und einen Kontrast zu der männlichen Welt darstellte, wo es um Finanzen und Investoren geht.

Ich bekam allerdings das Feedback, das dieser Name sehr alt klinge und dass er nicht das repräsentiere, für das ich stehe.

Letztlich hatte ich die Idee in Anlehnung an meine jahrelange Erfahrung in der IT, dass ich ein Akronym verwende. Und so entstand der Name sazz.

s für Seife

a für andrea

z für ziegler

z für zürich

Dieser Name repräsentiert mich und meine Wurzeln, er ist sehr persönlich und eigenständig. Er hat mich von all den Produzenten der Schweiz abgehoben, die in der Regel das Wort „Seife“ in ihrem Firmennamen verwenden.

Welche Pläne hast du für die Zukunft, persönlich und beruflich?

Mein Ziel ist es, dass ich mein kleines Unternehmen so weit ausbaue, dass ich davon leben kann. Ich bin auch gerne dazu bereit, in der Zwischenzeit Opfer zu bringen und eine Teilzeitstelle anzunehmen, damit ich meinen Lebensunterhalt finanzieren kann und meinem Unternehmen die Zeit zu geben, nachhaltig und stetig zu wachsen.

Ich möchte menschen ein schönes Erlebnis mit einem bewussten Umgang mit unseren Rohstoffen und einem angenehmen Hautgefühl auf den Weg geben.

Was möchtest du den Lesern von Smartpurse mit auf den Weg geben?

Kläre deine finanzielle Situation vorher ab und setze dabei deine Limits. Das ist eine sehr individuelle Entscheidung. Und dann wähle die für dich richtige Gesellschaftsform.

Das sind für mich die beiden wichtigsten Punkte.

Vielen Dank an Andrea für dieses wirklich sehr inspirierende und informative Interview und weiterhin viel Erfolg mit deinem Geschäft!

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